Ecel


Erdély
Aþel (deutsch Hetzeldorf, ungarisch Ecsel) ist ein Ort in Siebenbürgen/Rumänien.

Lage

Aþel liegt im Kokeltal in der Nähe von Mediaº und hat ungefähr 1.500 Einwohner. Etwa fünf Kilometer nördlich verläuft die Nationalstraße, die Mediasch (Mediaº) mit Schäßburg (Sighiºoara) verbindet. Weiden, Weinberge und Büffelherden prägen die Umgebung.

Der Ortsname wird vom Rufnamen Hetzel abgeleitet. In der Mundart wird der Name Hazelderf ausgesprochen. Die zugewanderten Rumänen sprachen den Namen Aþeldorf aus, dann ließen sie die Endung Dorf weg und so kam Hetzeldorf zum rumänischen Namen Aþel.

Geschichte

Archäologische Funde gaben Aufschluss über eine Besiedlung des Gebietes von der Neuen Steinzeit über die keltischen Zeit, die Periode des Römischen Reiches, die Völkerwanderung bis zur Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen nach dem Mongoleneinfall 1241.

1283 wurde der Ort als villa Echelini erstmals erwähnt. Die erste Dorfgründung der deutschen Siedler fand im südlichen Lukastal statt. Bis 1283 wurde im Mittellauf des Hetzeldorfer Baches der heutige Ort gegründet und ausgebaut. Die Siedlung im Lukastal verfiel, nur der Flurname Martinskirch erinnert noch an die einstige Dorfgründung.

Um 1397 gab es bereits eine deutsche Schule. Die Nikolauskirche in der Dorfmitte wurde in drei Bauphasen von 1380 bis 1471 erbaut, als sie in einer Urkunde des ungarischen Königs Matthias Corvinus Kirchenburg genannt wurde. Um 1545 wurde die katholische Nikolauskirche zur heutigen evangelischen Kirche reformiert. Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Rumänen - sogenannte Kalibaschen - vom ungarischen Pächter Simon Peczy im Zualeschtal angesiedelt. Türkeneinfälle, Pest und Bürgerkriege führten zu einem wirtschaftlichen und demografischen Rückgang, der Hetzeldorf dem Untergang nahe brachte.

Im Jahre 1579 lebten 1085 Einwohner im Ort; deren Zahl fiel 1698 auf 240. Diese Notzeit war eine günstige Gelegenheit für die Zuwanderung der rumänischen Bevölkerung. Die erste rumänische Kirche wurde 1784 am südlichen Rand des Dorfes errichtet. In diese Zeit fällt auch die Eröffnung der rumänischen Schule.

1874 erreichte der evangelische Pfarrer durch seine Fürsprache die Errichtung einer Haltestelle an der Eisenbahn, die später zum Bahnhof ausgebaut wurde. Um 1900 waren die Weinreben - die bedeutendste wirtschaftliche Grundlage - fast gänzlich durch die Reblaus vernichtet worden. Nur die Anpflanzung reblausresistenter Weinstöcke rettete den Weinbau in Hetzeldorf (siehe: Weinbau in Rumänien).

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Siebenbürgen an Rumänien; 1919 kam es zur ersten entschädigungslosen Enteignung von Ackerflächen der Sachsen. 1925 wurde der Gemeindesaal und 1938 die Neue Schule von den Deutschen errichtet. 1936 wurde die rumänische Staatsschule von den Rumänen und Sachsen erbaut. 1894 wurde der deutsche und 1942 der rumänische Kindergarten ins Leben gerufen.

Als Folge des Zweiten Weltkrieges wurden die arbeitsfähigen deutschen Männer und Frauen, im Januar 1945 für fünf Jahre in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt. Die deutsche Schule und die evangelische Kirche blieben bestehen und sicherten den Weiterbestand der Sachsen im Ort. 1945 wurde der Bodenbesitz der Deutschen entschädigungslos enteignet und den Rumänen zugeteilt.

1946 wurden etwa 80 rumänische Familien nach Hetzeldorf gebracht, in die Häuser der Deutschen zwangsweise einquartiert und ihnen Boden zugeteilt. So entrechtet, verschleppt und enteignet, begann der Überlebenskampf der Sachsen, der erst durch die Gründung der Staatsfarm und der LPG erleichtert wurde. 1956 wurde Hetzeldorf an das Stromnetz und 1958 an die Gasleitung angeschlossen.

1968 entstand die Großgemeinde Aþel - Hetzeldorf durch die Eingemeindung der Nachbarorte Tobsdorf, Almaschken, Schmiegen und Gogeschdorf. 1969 wurde ein ärztliches Zentrum eingerichtet und so die medizinische Versorgung wesentlich verbessert. Nach 1975 wurden die Hauptgassen und der Weg zum Bahnhof asphaltiert.

Durch den Zusammenbruch des diktatorischen Regimes 1989 hoffte die deutsche Bevölkerung auf die Rückgabe des enteigneten Bodens, sie wurden jedoch enttäuscht und nutzte die zugestandene Reisefreiheit zur Massenauswanderung nach Deutschland. Rumänen aus allen Landesteilen erwarben die billigen Immobilien und siedelten sich im Orte an. 1996 wohnten schließlich nur noch 50 deutschstämmige Personen in Aþel, zumeist im 1992 gegründeten Altenheim.

Mehr über die Geschichte Hetzeldorfs erfährt man aus dem Heimatbuch, herausgegeben von Gustav Paal und Erich Briebrecher und dem Orts- und Schulgeschichtsbuch von Erich Briebrecher.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Kirchenburg mit ihren Torwehren, mit reichhaltigen Steinmetzarbeiten, einem sehenswerten Altar und einer Gedenktafel für die Opfer des Ersten Weltkriegs.
  • Der Friedhof und die Bergkirche
  • Das evangelische Pfarrhaus und ein evangelisches Altersheim

Persönlichkeiten

  • Lukas Graffius (* 1667; † 1736), evangelischer Bischof in Siebenbürgen von 1711 bis 1736
  • Dionisie Roman (* 1841; † 1917), Memorandist (Aktivist für rumänisch-nationale Anliegen zur Zeit der Habsburger Monarchie)

Literatur

  • Gustav Paal und Erich Briebrecher (Hg.): Heimatbuch Hetzeldorf
  • Erich Briebrecher: Ort- und Schulgeschichtbuch Hetzeldorf

Weblinks

Fotos aus der Region

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